Limits
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Re: Limits
von ErzengelGabriel am 22.08.2009 00:13Hier mal das erste Kapitel:
1.
Eigentlich könnte man mich als ein ganz normales, 15 jähriges Mädchen bezeichnen. Normal, bis auf den (un)glücklichen Zustand, dass meine Eltern nicht mit dem Geld geizten, das der Beruf meines Vaters - er war Immobilienmakler für Villen - unserer Familie reichlich bescherte. Ja, unter diesem Umstand konnte man mich als durchschnittlich und unauffällig bezeichnen. Bis genau zu jenem Tag, der mein Leben so von Grund auf verändern sollte, dass nichts mehr so sein würde, wie zuvor.
Alles begann wie jede Woche mit dem schwarzen Montag, nach dem roten Sonntag. Der Beginn einer endlos langen Schulwoche, das Ende eines zu kurzen Wochenendes. Meine Eltern waren sehr oft beruflich unterwegs, weshalb ich jeden Morgen schon allein war, wenn ich aufstand. Mit morgendlicher Routine stieg ich unter die Dusche und stapfte in Unterwäsche wieder zurück über den Flur in mein Zimmer. Viel zu groß für meinen Geschmack. Ich suchte mir was zum anziehen heraus und schminkte mich unauffällig mit etwas Kajal und Maskara.
Unten in der Küche schüttete ich eine Hand voll Cornflakes in eine Schüssel und schüttete Milch dazu. Gelangweilt aß ich auf und Stellte das dreckige Geschirr für Andrea, unsere Haushälterin, auf die Anrichte, die es später in die Spülmaschine räumen würde.
Auch heute schafften es die ersten Sonnenstrahlen, die den lang ersehnten Frühling ankündigten, mich aufzuheitern. Mit anhaltender Wochenendsmüdigkeit riss ich ein paar grüne Blätter von Hecken und Büschen und zerrupfte sie in meinen Händen.
Auf dem Schulhof war bereits eine Menge los, und ich suchte im vorbeigehen die Grüppchen nach meinen Freundinnen ab. Nachdem ich fast den ganzen Pausenhof durch hatte, tippte mir von hinten jemand auf die Schulter.
“Man Leute, ich hab euch schon gesucht!”, beschwerte ich mich bei Rosalie und Anne.
“Sorry, aber wir sind gerade erst gekommen. Schreiben wir heute irgendwas?”, entschuldigte sich Rose.
“Hmm, könnte sein. Vielleicht Vokabeltest in Englisch?”, vermutete ich.
“Ach nein. Wir bekommen doch ab heute diesen neuen Referendar. Also ich denk mal nicht, dass der Meyer mit uns in der ersten Stunde einen Test schreibt wenn der neu in unsere Klasse kommt..”, lachte Anne über meine Vergesslichkeit.
“Ach ja, daran hab ich ja gar nicht mehr gedacht. Na toll, dann hätte ich ja nicht lernen müssen.”, meinte ich genervt.
“Los kommt, lasst uns reinkommen, schließlich wollen wir den Neuen ja nicht verpassen, oder?”, grinste Rose, die sich bei uns einhakte und uns mit ins Schulgebäude zog.
“Hat den eigentlich jemand jemals gesehen?”, überlegte ich, da ich mich nicht daran erinnern konnte, wie er aussehen sollte.
“Hmm keine Ahnung? Wir werden es ja gleich sehen. Entweder er ist total hot oder ein völliger flop.”, lachte Anne und wir stimmten mit ein. Wir quatschen weiter über dies und das, bis unser Englischlehrer gereizt unseren “Kaffeeklatsch”, wie er es genannt hatte, unterbrach. Noch immer keine Spur von irgendeinem Referendar. Vielleicht war es wieder irgendein Gerücht, dass jemand in die Weltgeschichte hinausgeschrien hatte.
“Hey Anne,”, stupste ich sie neben mir an. “Bist du dir sicher, dass das mit dem Neuen nicht irgend ein dummes Gerücht ist?”
“Nein, der Meyer hat neulich auch irgendwas gesagt.”, antwortete sie mir leise.
“Ahh danke, okay.”
“Stella! Ich habe absolut keine Lust, dich andauernd zu ermahnen. Da hinter. Sofort!”
Oh man, war der heute schlecht drauf. Widerwillig packte ich meine Sachen zusammen und setzte mich allein in eine Bank in die letzte Reihe. Rose und Anne schauten mich mitleidig an aber ich rollte nur mit den Augen. Ich hoffte mal, dass ich nicht dass ganze Schuljahr hier sitzen musste, denn dem Meyer war einiges zuzutrauen. Ich packte meinen Block aus und kritzelte undefinierbare Zeichnungen darauf. Mittlerweile starb ich fast vor Langeweile. Na ja, wenigstens hatten wir keinen Vokabeltest geschrieben.
“Jetzt habe ich mit euch noch einen organisatorischen Punkt zu klären. Es geht darum, dass der Direktor euch eine Klassenfahrt genehmigt hat.” Lautes Kreischen unserer seits, wütender Blick seiner seits.
“Ruhe! Sonst bin ich nicht bereit, eine Woche auf Unterricht zu verzichten. Hier habt ihr ein Schreiben für eure Eltern, das ihr Morgen unterschrieben wieder abgebt. Wer es vergisst, fährt nicht mit. Verstanden?” Ich war mir nicht sicher, ob er noch etwas sagen wollte, doch er wurde von einem Klopfen an der Tür unterbrochen. Alle Aufmerksamkeit der Klasse wandte sich zur Tür, durch die mein braungebrannter, muskulöser Traumtyp marschierte.
“Ah, da bist du ja. Willst du dich nicht selbst vorstellen?”, schien Herr Meyer den Neuen bereits erwartet zu haben.
Der neue Lehrer marschierte selbstbewusst zur Tafel und fing an sich vorzustellen.
“Hallo, ich bin Seth Clearwater und komme aus den USA. Ab heute werde ich euer neuer Referendar, Beziehungsweise Englisch und Geschichtslehrer sein.“ Seth Clearwater hieß er also. Wow toller Name. Geiler Typ. Wir alle lauschten aufmerksam und hingen regelrecht an seinen sinnliche Lippen.
“Oh mein Gott, wie geil ist der denn?”, flüsterte Rose und sah Anna und mich begeistert an.
“Und wie schade, dass du deinen Tobi hast.”, meinte ich grinsend, was ein jähes schmollen bei Rose hervorbrachte.
“Mädels, hallo. Er ist Lehrer. Wir sind die Schüler. Ihr könnt ihn euch gleich wieder abschreiben.” Anne war immer diejenige von uns, die nie abhob und immer alles nüchtern vom Boden aus betrachtete, während wir meistens längst auf Wolke 7 schwebten.
“Man Anne, träumen kann man doch noch oder? Du Spielverderberin.”, sagte ich.
“Stella, ich will euch nur vor einem Unglück bewaren. Ihr könnt von der Schule fliegen deswegen. Und der Typ dort vorn wird nie mehr an einer Schule angestellt werden.”
“Übertreib mal nicht. Keiner von uns wird so doof sein.” In diesem Moment war ich fest von meinen Worten überzeugt, unwissend, dass in Wahrheit alles anders kam.
“Da Herr Clearwater so zu sagen eure Klassleiter Rolle übernimmt, wird er mit euch die Planung der Klassenfahrt übernehmen und als Betreuungslehrer natürlich anstatt Meiner mitfahren. Verstanden?” Unsere Klasse tuschelte aufgeregt durcheinander, wobei Anne, Rose und ich natürlich keine unwichtige Rolle spielten.
“Ruhe!”, versuchte Meyer mit seiner dominanten Stimme unter Kontrolle zu bringen, was er auch einigermaßen schaffte.
“Ich überlasse Ihnen hiermit meine Klasse. Geben sie ihr Bestes. Viel Erfolg.” Mit diesen Worten verließ er das Klassenzimmer und wir warteten gespannt auf den weiteren Verlauf der Stunde.
“Also gut. Soweit ich weiß fahrt ihr nächste Woche auf Klassenfahrt. Wohin?”, wollte Herr Clearwater wissen. Augenblicklich schnellte der Arm von Marie nach oben, unserer Klassenstreberin.
“Ja? Sagst du mir gleich deinen Namen mit dazu?”, rief er sie auf.
“Also. Ich bin Marie. Und wir wollten nach Frankreich fahren. Nach Marseille.”
“Schön, schön. Dazu hätte ich hier einen Elternbrief, dessen Rücklaufzettel ihr mir bis Freitag abgebt. Verstanden?” Er ließ den Zettel durchgeben. Mittlerweile hingen alle Mädchen regelrecht an seinen Lippen. Er sah echt unglaublich aus. Braun gebrannt, strahlend weiße Zähne, türkise Haare, gefärbt natürlich. Wer hat schon von Natur aus türkise Haare? Seufzend fragte ich mich, warum so ein gutaussehender Kerl ausgerechnet Lehrer sein musste. MEIN Lehrer.
“Zum Einstand habe ich noch eine kleine Überraschung für euch.”, meinte Herr Clearwater grinsend und ich konnte mir nicht vorstellen was er damit meinte. Er ließ seine sinnlichen Hände in seine Tasche gleiten und holte einen Stapel Papiere hervor.
“So Leute, bitte mal alle Hefte und alles andere was mit Englisch zu tun hat weg.”
“Oh nein, bitte nicht!”, stöhnte die gesamte Klasse. Stöhnend räumte ich meinen Tisch bis auf meinen Kugelschreiber zurück in meinen Rucksack und klickte damit angespannt auf der Tischplatte, während ER die Blätter austeilte. Trotz meiner unangebrachten Nervosität. Da ich glücklicherweise für einen Test gelernt hatte, ließ ich ihn nicht aus den Augen. Verfolgte jede seiner geschmeidigen Bewegungen. Ich beobachtete das regelmäßige Heben und Senken seines Brustkorbs unter der tiefen Atemzügen. Zuletzt blieb mein Blick an seinen Augen hängen. Lange, dichte Wimpern umrahmten seine tief violetten Augen. Und ich musste zwei Mal hinsehen, bevor ich mir sicher war, dass mir meine langweiligen grünen Augen keinen Streich spielten. Kontaktlinsen, redete ich mir ein. Das können nur Kontaktlinsen sein. Des Weiteren stellte sich mir die Frage, ob Lehrer überhaupt irgendwelche farbigen Kontaktlinsen tragen durfte. Bei sowas waren die Behörden doch ziemlich kleinlich. Herr Clearwater teilte die Arbeitsblätter in der Reihe vor mir aus, nun kam er zu mir. Ich versuchte mich nicht zu bewegen, und so tief wie möglich ein zuatmen. Ihn umgab ein betörender Duft, der mir regelrecht den Verstand raubte. Nach wenigen Augenblicken ging er weiter und ich legte meine Fingerspitzen auf die Stelle, wo seine Hand das Blatt berührt hatte.
Oh mein Gott. Was tat ich hier eigentlich? Er ist und bleibt mein Lehrer. Mir ging eine Vokabel durch den Kopf, die ich letzten Nachmittag gelernt hatte. Interrupted. Verboten. Wenigstens war ich damit nicht allein. Mindestens - mindestens - zwei Drittel der Mädchen aus meiner Klasse ging es genauso wie mir. Da war ich mir sicher. Verträumt sah ich aus dem Fenster nach draußen und beobachtete die Wolken, die sich über den blauen Himmel jagten, wie kleine Kinder beim Räuber-und-Gendarmen spielen. Ich wusste nicht warum, aber plötzlich schaltete ich vollkommen ab. Erst als nach etwa 20 Minuten Herr Clearwater uns bat die Stifte weg zu legen und die Arbeiten abzugeben, verdrängte der Schock die Träumereien. Ich hatte kein einziges Wort, keine einzige Vokabel aufgeschrieben.
Re: Limits
von __Sternliii__ am 22.08.2009 01:33Wow schatz.....das erste Kapitel ist toll...freu mich schon auf die anderen<333
ld<3333333333

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